schtzngrmm
von Ernst Jandl
schtzngrmm
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s————-c————-h
tzngrmm
tzngrmm
tzngrmm
grrrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt
(Extra fuer dich Ursula – und, weil ich drei Mal in dieser Woche an dieses Gedicht aus unserem Deutschbuch denken musste und, weil es passt.)
Die Nachmittagssonne brennt unerbittlich auch das hitzegepeinigte Stueck rissigen Bodens. Das Haus, das hier stand, ist vor zwei Jahren abgerissen worden und seitdem wurde kein neues gebaut. Ein paar Huegel achtlos aufgeworfener Erde und Geroell bedecken das Areal. Dazwischen kauern sich robuste, harte Straeucher mit nadelartigen Blaettern. Ploetzlich durchbricht ein Schrei die Ruhe. Auf das Kommando hin springen drei vermummte Gestalten mit Sturmasken aus der Deckung, Waffen im Anschlag. Projektile surren todbringend durch die Straeucher. Mit toedlicher Praezision ruecken die drei Jungen vor, abwechselnd Schuesse auf die umgeknickte Palme feuernd hinter der der Feind sich versteckt haelt. Der Softairvorstadtkleinkrieg ist ausgebrochen!
Jake, mein Gastbruder, hatte Geburtstag. Sonntag. Sechzehnten. Und Samstag hatte er sechs seiner Freunde hier zum gegenseitigen massakrieren und um den Geist des Milizenstaates aufrecht zu erhalten. “I have the right to bear arms!” … 2. Artikel der Bill of Rights.
Softairguns sind “Spielzeugwaffen”, deren Plastikkugeln nur eine laeppische Geschwindigkeit von 120 m/s. erreichen – also nur genug, um jemandem einen ordentlichen blauen Fleck zu verpassen.
Regeln sind normalerweise wie bei Paintball – Schuss, Tod, runter vom Spielfeld, nacheste Runde wieder rein.
So hetzten wir mit unseren merkwuerdigen Masken, die jedem SiFi-Alien im wahrsten Sinne des Wortes gut zu Gesicht gestanden haetten, durch die Pampa und knallten uns gegenseitig in Teams oder als heroischer Einzelkaempfer ab. Jaja, ich weiss: “Schrecklich! Wie koennt ihr nur! Man zielt mit Waffen nicht auf Menschen! … wurde ja schon gesagt, wenn man in der Grundschule nur mit dem Finger auf jemanden deutete und laut “Ratatata” rief, aber hier ist das ein ganz normaler Zeitvertreib – und ich kenne auch in Deutschland Leute, die gerne Softair spielen. Und auch, wenn ich diese Kriegsfanatiker in Deutschland immer ein wenig belaechelt habe, so macht es doch mordsmaessig Spass – auch, wenn ich bei jedem Schuss daran denken muss, dass das ja doch nicht so ganz moralisch einwandfrei ist.
Letztens habe ich mich mit Beth, einem zartbesaiteten Maedchen, das mir ungefaehr bis zum Bauchnabel reicht, darueber unterhalten, dass sie mit ihrem Vater in die Berge zum Jagen geht. Sie schiessen zwar im Optimalfall hoechstens einen halbverdursteten Hasen, aber dort stoert es ja keinen, wenn man mal ein bisschen scharf schiesst, und man muss ja fuer den Ernstfall vorbereitet sein. “- ?”, war meine Reaktion.
Aber das hoert man hier eigentlich ziemlich oft. Viele Jungen sind regelmaessig in den umliegenden Bergen und ballern einfach mal ein wenig mit ihren Vaetern in der Gegend herum und auch gibt es jede Woche mindestens einen Bericht in der Zeitung, dass jemand, der das Grundstueck eines anderen betreten hat, erschossen wurde. Der Schuetze kommt ungestraft davon, dank der Selbstverteidigungsgesetze der USA.
Das Absurde an dem “Right to bear arms” ist irgendwie, dass es nur gilt, wenn man die Waffen offen traegt. Der obligatorische Revolver in der Handtasche ist gesetzwiderig, nicht aber wenn ich meine grosskalibrige Schrotflinte in der Einkaufspassage spazieren trage.
Ein weiterer interessanter Artikel zu dem Thema Waffen in den USA ist HIER zu finden.
Liebe Gruesse ins friedliebende Deutschland
Gruesse zurueck…
Und wow, ich hab gewusst, dass Amiland krank ist, aber SO?? Obwohl Softair-Schlachten wirklich Mordsspass sind, dabei sind sie moralisch gerade noch so vertretbar. Aber das mit der Schrotflinte ist echt krass, die haben doch alle ein am Stecken^^
Ich hoffe, du hattest viel Spass aufm Geburtstag
Für den Augenblick: Danke für die Extrawurst! – Zum Wochenende mehr!
Gruß
Ursula
Hey, Dave!
Sorry for me being absent on business
Na ja, nicht wirklich “on business”… Aber die Abendschule und die damit verbundenen Verpflichtungen haben mich – neben der Arbeit an sich – heiter am Laufen gehalten. Die Deutsche Bahn hat darüber hinaus das ihr zustehende Quäntchen dazu beigetragen, dass ich noch weniger meiner ohnehin schon spärlichen Freizeit sinnvoll nutzen konnte; es sei denn, man ist derart optimistisch-verstrahlt, dass man einen dreiviertelstündigen Aufenthalt am Bahnhof des metropolistischen Wanne-Eickels als Highlight im Tagesablauf sieht… ich tu’s nicht…
Ich habe es gerade noch geschafft, mich auf dem Laufenden zu halten, was bei Dir in den fernen und tiefen Weiten des (wilden) Westens abläuft – und stets am Vorsatz festzuhalten, Dir beim nächsten Post einen Comment drunter zu heften…
An dieser Stelle ein Hoch auf die Technik, denn den einen oder anderen Deiner Beiträge habe ich in der Cafeteria der FOM (Abendschule) auf meinem PDA gelesen; ok, es ist nicht wirklich luxuriös, wenn man sich Deine literarischen Ergüsse auf einem Bildschirm zu Gemüte führt, der nur unwesentlich größer ist als eine deutsche Standardbriefmarke, aber es ist möglich…
Vor gut 3 Wochen hätte ich Dir übrigens dazu geraten, Dich an das Recht eines fast jeden Bürgers zu gewöhnen, auch in Deutschland Waffen (frei) mitführen zu können. Unser Halb-Mann-halb-Auto-Poltiker Wolle Schäuble war der Ansicht, man sollte es doch jüngeren Sport- und potenziellen Amokschützen wieder gestatten, sich bereits ab vollendetem 18. Lebensjahr mit großkalibrigen Waffen auszurüsten und diese darüber hinaus für den sport- oder auch “mordlichen” Ernstfall zu Hause einzulagern… Und alles im Namen des europäisch-juristischen Gleichschritts (zumindest war das die gängigste seiner Ausreden für die geistigen Bremsspuren, die er gegenüber Pressevertretern zum Besten gab).
Nun, ich hätte gedacht, dass gerade er der Sache ein wenig kritischer gegenüberstünde, nachdem ihm ein mit Schwarzpulver beschleunigtes Stück Blei einen ständigen Sitzplatz im Kino, Theater, Konzerthaus und zuletzt auch Parlament ermöglicht hatte… Aber vielleicht ist das auch sein Beitrag zur Ökopolitik – denn wenn die halbe Republik wegen Mordversuchs weggesperrt ist und die andere Hälfte aus den Rollstühlen nicht mehr herauskommt, fährt hier keiner mehr Auto (von den wenigen Verschonten Zivis abgesehen, die das “Essen auf Rädern” ausliefern).
Inzwischen ist er nach heftigem Gegenwind wieder davon ab und arbeitet lediglich an seiner deutschen Version des Patriot Acts – was heißt, es bleibt weiterhin Polizisten gestattet, Waffen zum ausschließlichen Gebrauch auf dem Schießstand zu tragen – darüber hinaus sollen aber alle Rechner von Regierungsinstanzen be-trojanert werden (dürfen)… Sobald das Praxis ist, haben wir geschafft, was Kohl damals, noch vor Deiner Geburt, schon anstrebte: die Angleichung von West an Ost (war doch so rum, oder irre ich…?)
Okay, mal einen Schritt weg vom Politischen… ich musste vor ein paar Posts doch aufhorchen und lachen, als Du vom europäischen Bild der Amerikaner berichtet hast… Alles, was jenseits der ozeanischen Umrandung passiert, ist für den gemeinen Ami ja ohnehin ein böhmisches Dorf. Mein Schwager arbeitet zurzeit für das Volk, das Dich als Gast duldet – er darf die gesamte Elektronik des neuen Botschaftskomplexes der USA in Berlin installieren… Er persönlich kommentierte deren eigenen technischen Status einmal mit
Er hat es auf jeden Fall geschafft, sie davon zu überzeugen, dass der Einsatz deutscher Wertarbeit bei weitem sinn- und gehaltvoller wäre… Allerdings mussten die deutschen Baustoffe erst einmal nach Amerika verschifft werden, um dort der Paranoia gehorchend auf mögliche Abhör- oder Angriffsvorrichtungen geprüft zu werden. Und ab dem Zeitpunkt, dass diese Teile abgenommen worden waren, saß stets ein be-pump-gun’ter Secret Service Agent daneben, um zu schützen, was im Namen seines Landes schützenswert war…
“Die sind bei der ersten Apollo-Mission stehen geblieben, meinen aber, sie spielten immer noch ganz vorne mit…!”
- oder, um mal eine prominentere Person als meinen Schwager zu bemühen, wie Volker Pispers so schön sagte: “Eine Nation, die alles, was komplizierter als ein Kühlschrank ist, importieren muss!”
Wie auch immer, Deine Antwort mit dem Feuer als letzten Schrei fand ich äußerst genial! Die kann man ohne Bedenken oder Einwände direkt neben dem Kommentar Volker Pispers stehen lassen
So, demnächst gibt’s – so hoffe ich – mehr, und das vor allem regelmäßiger.
Ich werde mich jetzt mal dem Abendessen (machen) zuwenden – Dir noch viel Spaß, wobei auch immer!
Liebe Grüße aus dem – leider – regnerischen Dortmund!
Tobi